Warum eine Leitungskraft sich um Ersatz kümmern muss.

Heute konnte ich das Telefon, das für meine Arbeit vorgesehen ist, nicht benutzen. Mein Teamleiter hatte es mit in sein Büro genommen. Er ist jetzt an Corona erkrankt und in Quarantäne. Von einer Minute auf die andere kann er seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, niemand kommt in sein Büro. Dass er im Prinzip Arbeiten im Homeoffice erledigen könnte, hilft nicht: er ist nämlich tatsächlich krank und kann nicht arbeiten.

Ähnliches ist mir das selber vor einigen Jahren an der University of Lincoln passiert. Bei einer Übung zum Thema Gruppenentscheidungen hatte ich die Lösung des Problems klar vor Augen. Wie der Wind hätten wir das erledigt. Sobald der Dozent das gemerkt hat, hat er mich aus der Gruppe genommen. Folge: Die Gruppe musste erst sich und dann die Lösung neu finden – ich hatte mich nicht ausreichend mit ihnen abgesprochen.

Ich solle nicht traurig sein, meinte der Dozent. Das ist ein typischer Fehler von Führungskräften. Aus diesen Fehlern kann man lernen: Eine Führungskraft sollte immer den eigenen Ausfall absichern!

Dazu gehört:

  • Nicht nur Anweisungen geben oder Aufträge verteilen, sondern den Kontext darstellen, das Ziel und die Absicht.
  • Alle Entscheidungen mindestens mit dem Stellvertreter, besser der ganzen Gruppe besprechen.
  • Vorher die Struktur für die Zeit nach einem Ausfall festlegen.

Damit ist gewährleistet, dass das Ziel oder der Auftrag auch dann erreicht wird, wenn die Führungskraft kurzfristig ausfällt.

Im Einsatzgeschehen bei Hilfsorganisationen herrscht oft die Meinung, dass es aufgrund der Dynamik des Einsatzgeschehens keine Zeit für Absprachen gibt. Ein Glück, wenn niemandem etwas passiert.

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